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» Kritik zu Oriana
Fallaci: Die Wut
und der Stolz
Auszug aus dem
Essay zu Islam-
Wissenschaften
Leseproben von Ludwig Ammann

Oriana Fallaci: Die Wut und der Stolz
Aus dem Italienischen von Paula Cobrace. List, 195 Seiten, 18.-

Kritik aus: LITERATUREN, Oktober 2002
Es ist wieder Krieg. Endlich. Ausgerufen von Bin Laden. Erwidert, dankbar, von Oriana Fallaci. Star-Kriegs-journalistin bis 1990, die Frau an der Front, weltweit. Dann hochmütiges Schweigen in New York, Sunset Boulevard. Bis zum 11. September 2001. Der perfekte Aufhänger für ein glorioses Comeback der Siebzigjährigen in ihrer Lieblingsrolle: als Freiheitskämpferin. Die Fallaci, Ex-Soldatin der Resistenza, als Retterin der westlichen Welt. Begreift ihr nicht oder wollt ihr nicht begreifen, dass ein Heiliger Krieg stattfindet, der unsere Seelen erobern, unsere Freiheit abschaffen, unsere Art zu leben und zu sterben vernichten will? Ein umgekehrter Kreuzzug. Ich will unsere Kultur verteidigen, verdammt!
"Die Wut und der Stolz" ist eine rhetorisch brilliante Kriegspredigt im Landserton. In ihrer Heimat Italien gelang der Fallaci damit ein Mediencoup, neben dem selbst Schirrmachers Inszenierungen verblassen. Eine Million Mal verkaufte sich die Zeitung, die am 29. September die Kurzfassung druckte, eine Million Mal das Buch hinterher. Dafür gibt es einen Grund: ihren ungezügelten Hass. Seit Hitlers "Mein Kampf" hat kein Buch so erbarmungslos einer ganzen Religionsgemeinschaft den Krieg erklärt. Nicht allein denen, die es wahrlich verdienen, den Massenmördern vom 11. September - nein, allen "Söhnen Allahs" erklärt die Fallaci den Krieg. Nur von den Töchtern Allahs ist nie die Rede: Sie geniessen bei der Feministin Opferstatus. Weil "die Söhne Allahs dem Tod einer Frau nicht die geringste Bedeutung beimessen." Beweis: die Hinrichtung von drei Frauen durch einen Taliban und andere Extremisten-Greuel. Als fänden die meisten Muslime das nicht auch abscheulich. Als würden Amerikaner nicht auch guten Gewissens Frauen hinrichten...
Warum diese unerhörten Verleumdungen? Es ist Krieg, sagt die Fallaci. Und denkt, das rechtfertige militantes SchwarzWeiss, GutBöse, FreundFeind. Weil ihre Worte töten wollen wie ein Flugzeug, das in einen Wolkenkratzer rast vor den Augen der Welt. Die Wut der Fallaci fordert muslimische Opfer, und seien sie noch so unschuldig. Welche Menschenverachtung in der tragischen Tradition intellektueller Menschheitsbeglücker! Dabei gäbe es genug, was scharfe Worte und beherztes Handeln verlangt. Der Hass auf den Westen ist in der Tat ein Krebsgeschwür. Die terroristischen "Kreuzfahrer mit Nachsicht zu behandeln" wäre in der Tat Selbstmord. Und natürlich müssen wir uns fragen, wie weit die schreckliche Sympathie derer geht, die bei den ersten Bildern des Grauens applaudierten und Bin Laden bewundern! Aber gegen alle Erkenntnisse der Forschung den Eindruck zu erwecken, zum Heiligen Angriffskrieg aufs Abendland entschlossene Extremisten mit und ohne Waffen seien keine Randgruppe, sondern die Mehrheit der Muslime - das ist kein Heiliger Verteidigungskrieg, das ist gewissenlos. Der Heilige Krieger und die Heilige Kriegerin - zwei eitle kriegslüsterne Scheinheilige.
Die Fallaci hätte, mit Augenmass, zum Widerstand gegen die neuen Feinde der freien Welt aufrufen können. Statt dessen lässt sie sich, um einmal ihren Ton anzuschlagen, von räudigen Ressentiments begatten wie eine läufige Hündin und schmäht alle Andersdenkenden Idioten, Trottel und Luxuszikaden. Ja, es gibt politisch korrekte Weicheier, die so dämlich sind, im Namen des Pluralismus dessen Henker zu verteidigen. Aber es gibt noch ein paar Töne zwischen tumber Islam-Apologie und tobsüchtigem Anti-Islamismus. Es ist, Signora, kein Luxus, sondern bittere Notwendigkeit, der grossen Diva der Demagogie zu widersprechen!
Nein, die muslimischen Einwanderer nach Italien und Europa sind nicht "Pioniere der islamischen Diktatur" und es steht dahinter keine "heimtückische" Verschwörung Bin Ladens zur Eroberung unserer Seelen, sondern Armut. Ja, es gibt darunter Terroristen, Diebe, Vergewaltiger, Bettler, Drogenhändler, aidskranke Huren. Es gibt sie, und es gibt die anderen, die Mehrheit der Unbescholtenen - wie bei uns! Die Zuwanderung ablehnen ist das eine und zulässig; den Fremdenhass schüren etwas anderes und unverzeihlich. Die Muslime vermehren sich nicht "wie die Ratten" - es sind die Italiener, die sich kaum noch vermehren, was nun wirklich nicht die Schuld der Zuwanderer ist. Und überhaupt, "wie die Ratten": Wissen wir Deutschen noch, wessen Sprache das ist?
"Ist niemandem aufgefallen, dass alle islamischen Länder Opfer eines theokratischen Regimes sind?" Herrgott - fällt niemandem auf, dass die Fallaci lügt wie gedruckt, dass ein Land wie die Türkei laizistischer ist als Italien? Natürlich darf sie ihre Kultur, soll sie unsere freiheitlichen Werte verteidigen gegen diejenigen Muslime, die von Gottes Gesetz auf Erden träumen. Aber allen Ernstes zu behaupten, die Muslime hätten gar keine Kultur ausser dem frauenfeindlichen Koran, wir hingegen die Kultur gepachtet seit Homer - das ist Rassismus, Signora, auch wenn Sie's wortreich bestreiten. "Wir" sind zivilisierter geworden als die Söhne Allahs seit den Scheiterhaufen des Mittelalters? Stimmt, Signora: die Gaskammern Hitlers sind ein technischer und, nicht wahr, humaner Fortschritt...
Neinneinnein, sagt die Signora, die Faschisten, das sind die Gutmenschen, die mich Kriegstreiber nennen, wenn ich die Wahrheit sage. Und in der Hoffnung, ihre Kritiker mundtot zu machen, zündet sie am 16. April 2002 eine zweite Bombe: "Über den Antisemitismus" als neue Schande Europas - eine Kampfschrift gegen propalästinensische Auswüchse. Sie weiss, welche Karte sticht im Kampf um die Krone des Gutmenschentums. Aber sie vergisst zu erwähnen, dass man für Palästina sein kann, ohne gegen Israel zu sein. Ohne Antisemit zu sein. Ohne "mit den arabischen Ländern ins Bett zu steigen wie eine Hure". So wie man für Europa und Israel sein könnte, ohne Antimuslim zu sein wie die Fallaci.
Der schaurige Erfolg ihrer Hetzschrift macht deutlich: Der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts wird ein Antiislamismus sein. Ignorante Platzhirsche des Diskurses wie Karl-Heinz Bohrer wollen uns einreden, es gebe kein Feindbild Islam. Hier ist es - und roher, als wir es uns je hätten träumen lassen. Die Signora hat in ihrer Tollwut das Andenken ihres verehrten Vaters geschändet. Er war ein echter Freiheitsheld. Bei ihr hat es nur zum Missbrauch der öffentlichen Rede gereicht.
Ludwig Ammann


A DECLARATION OF WAR
Oriana Fallaci finds a new enemy
At war again. At last. War declared by Bin Laden and reciprocated, with gratitude, by Oriana Fallaci, the Italian star war reporter until 1990 and woman at the front worldwide. After a decade of arrogant silence the 11th of September, 2001, helped the seventy year-old to a glorious comeback in her favourite role: freedom-fighter. Fallaci, ex-soldier in the Resistenza, returns as saviour of the Western world. "Don't you understand or don't you want to understand - that a Holy War is taking place, aimed at conquering our souls, doing away with our freedom, and destroying our way of life and death? A crusade in reverse.I want to defend our culture, damn you!"
The Rage and the Pride is a rhetorically brilliant war sermon in mercenary style. With this Fallaci achieved a media coup in her homeland, Italy. A million copies were bought of the newspaper which printed a shortened version on 29th September, 2001, and a million copies were bought of the book that followed. There is just one reason for that: Fallaci's unrestrained hatred. No book has so mercilessly declared war on an entire religious community since Hitler's Mein Kampf. Not just on those who truly deserve it, the mass-murderers of 11th September - no, this author declares war on all the "Sons of Allah". There is never any mention of the Daughters of Allah. For this feminist they enjoy the status of being victims since "the Sons of Allah do not attribute the least significance to the death of a woman". Her proof is that three women were executed by a follower of the Taliban alongside other extremist horrors. As if most Muslims wouldn't also think that atrocious. As if Americans wouldn't also execute women with a clear conscience.
Why these outrageous calumnies? We are at war, says Fallaci, believing this justifies her militant black-and-white, good-and-evil, friend-and-foe thinking. Her words intend to kill like an aeroplane crashing into a skyscraper as the world watches. Fallaci's rage demands Muslim sacrifices, no matter how innocent those involved may be. What contempt for human beings in the tragic tradition of intellectuals striving to make people happy!

Mangy resentments
Yet much indeed would call for strong words and courageous action. Hatred of the West really is a cancerous growth. "Showing mercy to terrorist crusaders" really would be suicidal. And of course we must ask ourselves how far the terrible sympathy extends of those who applauded the first images of horror and admire Bin Laden. But to arouse the impression, contrary to all the findings of research, that extremists, set on a Holy War of aggression against the West, with and without weapons, are not a fringe group but constitute the majority of Muslims - that is not a defensive Holy War; it is completely irresponsible. The male holy warrior and the female holy warrior: two conceited hypocrites, lusting after war.
Fallaci could justly have called for resistance against the free world's new enemies. Instead like a bitch on heat - to employ her tone for once - she allows herself to copulate with mangy resentments. despising anyone who sees things differently as idiots, fools, and the spoilt rich. Yes, there are politically correct softies who are so stupid as to defend their executioners in the name of pluralism. But some degrees of difference also exist between dumb apologies for Islam and raging anti-Islamism. It is painfully necessary to refute the great diva of demagogy.

Lies no one wants to notice
No, Muslim migrants to Italy and Europe are not "pioneers of Islamic dictatorship", and their arrival is motivated by poverty, not some "insidious" conspiracy by Bin Laden for conquest of our souls. Yes, among them are to be found terrorists, thieves, rapists, beggars, drug-dealers, and whores with Aids. They exist, and so too do the others, the majority, who lead respectable lives - just like people in our country. Rejecting immigration is one thing, and permissable; inciting hatred of foreigners is something else, and unpardonable. Muslims do not breed "like rats". Migrants are truly not to blame for the fact that the Italian population is scarcely increasing any longer.
"Has no one realized that all Islamic countries are victims of a theocratic regime?" Does no one realize that Fallaci is lying left, right, and centre - that Turkey is more secular than Italy? Of course she is allowed, and welcome to defend her culture and our liberal values. But to maintain in all seriousness that Muslims have no culture apart from the Koran with its hostility to women whereas we in the West have had a monopoly on culture since Homer - that is racism no matter how many words Fallaci may deploy to deny it.
In the hope of silencing her opponents she detonated a second bomb on April 16th, 2002: "On Anti-Sernitisrn" as fresh ignominy for Europe - a belligerent pamphlet directed against pro-Palestinian excrescences. She knows what are trumps in the battle for winning the accolade of good human behaviour. But she forgets to mention that one can be for Palestine without being against Israel. Without being anti-semitic. Without "climbing into bed with the Arab countries like a whore". Just as one can be for Europe and Israel without being anti-Muslim like Fallaci.
The spine-chilling success of her rabble-rousing makes clear that the anti-semitism of the 21st century will be, anti-Islamism. Armchair gladiators of debate such as Karl-Heinz Bohrer want to persuade us that there is no stereotype of Islam as the enemy. But here is proof to the contrary - and cruder than we ever dreamed. In her rabid rage the Signora has desecrated the memory of her revered father. He was a true defender of liberty. She has only succeeded in abusing her right to speek in public.
First published in German in Literaturen.
Translated into English by Timothy Nevill.
The Rage and the Pride. 168 pp. Rizzoli Publishers 2002.